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Festival als Schmelztiegel der Kunstformen

Ein Festival ist immer ein kulturelles Erlebnis. Deshalb erscheint es nur natürlich, dass zusätzlich zur Musik auch bildende Kunst auf immer mehr Open-Airs Einzug hält, um die Vielfalt zu ergänzen. Jüngstes Beispiel: Das Highfield!

Installation am Dockville 2011, Alle Bilder: Sabrina Timm

Sommer, Sonne, Zelten in der Natur und Live-Musik vom Feinsten. Neben dem reinen Vergnügungsaspekt sind Festivals – ähnlich wie Konzerte – auch immer ein wuchtiger Ausbruch aus dem routinierten, stressigen oder oft tristen Alltag. Ein Stück Freiheit, dessen Angebot neben der Musik immer mehr ergänzt und verdichtet wird, um möglichst umfassendes Entertainment zu sein. Ein Schmelztiegel verschiedener Kunstformen gewissermaßen.

Als erstes der großen deutschen Festivals ruft jetzt das Highfield über seine Homepage ambitionierte Künstler dazu auf, sich für die diesjährige Veranstaltung mit ihren Werken zu bewerben und somit einen Beitrag zur ganz besonderen Festivalatmosphäre zu leisten. Damit folgen die Veranstalter dem Vorbild internationaler Festivals wie dem britischen Glastonbury oder dänischen Roskilde, bei denen Musik und Kunst schon länger Hand in Hand gehen.

Außerdem gesellt sich das Highfield damit in die Reihe kleinerer, deutscher Festivals, die das Konzept bereits früher für sich entdeckten. Drei dieser Open Airs wollen wir euch einmal kurz näher vorstellen:

MS Dockville

Das Festival auf der schönen Hamburger Elbinsel vereint seit seinem Beginn (2007) nicht nur Live-Musik und freistehende Kunstwerke, sondern widmet sich ebenfalls den Performance Arts, wie beispielsweise Poetry Slam. Darüber hinaus finden an ausgewählten Orten auf dem Gelände am massiven Rethespeicher ebenfalls Literaturlesungen statt. Beim Dockville ist Kunst aber nicht bloß reines Beistellwerk zum Musikprogramm. Rund drei Wochen vor dem Festival findet über drei Tage immer das so genannte Kunstcamp unter einem jährlich wechselnden Motto statt. Künstler aus der ganzen Welt versammeln sich, leben und arbeiten zusammen und präsentieren im Anschluss dem interessierten Publikum die Ergebnisse im Rahmen einer offenen Ausstellung auf dem Gelände. Ziel des Dockville ist es in entspannter Atmosphäre eine Verbindung von Musik und bildender Kunst zu erreichen, die zum kollektiven Erlebnis einlädt.

Reeperbahn Festival

Streetart am Reeperbahn Festival

Das Festival auf der sündigsten Meile Deutschlands stellt sich noch mal einige Spuren breiter auf. Zusätzlich zu den bereits erwähnten Formen wie Poetry Slam, Lesungen und (bildender) Kunst, räumt man in der Verlags- und Medienstadt hier seit 2010 im zweijährigen Abstand auch dem Thema Comics Platz ein. Die unter einem vorher festgelegten Motto stattfindenden Ausstellungen und Veranstaltungen sollen nicht nur Nerds anlocken, sondern auch Neulinge  in die Welt der bunt gezeichneten Geschichten hineinziehen. Ebenfalls zu den verspielten Kunstgattungen gehört die Street Art, die Kunstinteressierte unter anderem in Form eines Rundgangs in den Hamburger Straßen erleben können.

Eine besondere, wenn auch umstrittene Sparte hingegen ist Flatstock. Deren Vertreter bringen die seit 2002 im Rahmen der großen Musikfestivals in den USA stattfindende Musikposter-Kunst den deutschen Besuchern als Convention näher. So manches Sammlerherz schlägt bei der Betrachtung der meist per Siebdruck gestalteten Konzertplakate und Artistenposter höher. Die meist bekannten, aufbereiteten Motive sind limitiert, handsigniert und können gekauft werden.

Lüften Festival

Auch im Rhein-Main-Gebiet weht frischer Wind: Zum ersten Mal veranstaltet das Künstlerhaus Mousonturm in diesem Jahr  rund um der Jahrhunderthalle in Frankfurt am Main das Lüften Festival. Ähnlich wie beim Dockville präsentieren Künstler auf den Plätzen vor der Halle ihre Installationen und überraschen mit Performance Arts, während Indoor die Festivalbesucher zur Musik abgehen.

Festivals – so scheint der Trend –  begnügen sich nicht mehr damit, bekannten sowie neuen und talentierten Bands eine Plattform zu bieten, sondern sich verstärkt auch den kreativen Köpfen der Kunstbranche zu widmen. Ob und inwiefern damit typische Festivalisten angesprochen werden, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Im Fokus steht letztendlich die Musik – da läuft die bildende Kunst Gefahr, lediglich Beiwerk zu sein.


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